Börsegeschichten für BoerseGeschichte - Den „Tanker“ des Wiener Kapitalmarkts gemanagt (Wolfgang Matejka)

16.04.2021

Eigentlich wollte ich Fotograf werden. Mit Motiven, die nur ich sah, Menschen bewegen, durch die Welt reisen, immer dem Foto des Jahres auf der Spur, ein Beobachter der Werte mit dem Sinn fürs „Timing“.

War auch noch meine Intention als ich ins Bankgeschäft einstieg. Geld verdienen, um eine wirklich gute Fotoausrüstung zu kaufen. Dabei blieb es allerdings. Ich entdeckte die Vielfältigkeit des Geldwesens und lernte die Kapitalmärkte kennen und ihre Potentiale schätzen. Mein Werdegang in einer Filiale der damaligen Länderbank war daher nach einigen Jahren auch vom Aufbau einer eigenen Wertpapierberatung geprägt. Der Erfolg zog mich danach in die Zentrale und die Kundenbetreuung institutioneller Kunden öffnete mir dann eine neue Welt. Es war eine prägende Erfahrung im Wertpapierhandel zu sitzen, Kunden zu betreuen und das Gefühl zu bekommen inmitten der Kapitalmärkte zu sein. Der tägliche Besuch an der Wiener Börse, die damals noch eine Präsenzbörse war, wo man die Kurse direkt mit den Sensalen handelte, und von wo ich den diversen Kunden das Geschehen berichtete, war so eine Prägung. Einerseits lernte man die hinter der Kursbildung stehenden Menschen kennen, andererseits verlor sich so manche Mystik und machte Raum für das Bewusstsein für fundamentale Qualität und Wissen. 

Der nächste Schritt war, dass ich die Seite wechselte. Ich wurde Portfoliomanager. Die Allianz-Österreich Gruppe suchte einen Aktienmanager. Man fragte mich, ich sagte zu und hatte die nächsten Jahre eine ungemein spannende, herausfordernde, aber auch belohnende Zeit. Das Management großer Portfolien, und das war ein großes Portfolio, ist allein schon herausfordernd, an einer Börse wie Wien einen solchen „Tanker“ zu verwalten und das noch mit Erfolg ist aber etwas noch Spezifischeres. Learning by doing war die Maxime. Und es gelang in immer besserer Manier. 

Als ich nach 8 Jahren die Allianz verließ und Vorstand einer Schweizer Bank in Österreich wurde, hatte ich mein Kapitalmarktverständnis und insbesondere das des österreichischen Marktes enorm geschärft. Dies konnte ich nach dem neuerlichen Wechsel nach zwei Jahren (die „Schweiz“ wollte inzwischen etwas anderes) als CIO der Meinl Bank und Geschäftsführer der Julius Meinl Investment nutzen. Verantwortlich für diese kleine Kapitalanlagegesellschaft gelang es, die Performance der Fonds deutlich zu steigern und somit das Volumen in drei Jahren mehr als zu verdreifachen. Danach kam der Absturz von Meinl European Land, was die Fonds auch in Mitleidenschaft zog, weil der Imageschaden, den der Name Meinl erlitten hatte, leider stärker wirkte, als die nach wie vor sehr gute Performance. 

Als ich sechs Jahre später den Entschluss fasste, mit einem alten Bekannten eine eigene Asset Management Gesellschaft zu gründen, war dieser Schritt für mich die logische Konsequenz aller Vorjahre. Mit der Selbständigkeit die erworbenen Skills direkter zu nutzen um daraus, auch unter weit höherem persönlichen Risiko, das eigene Geschäftsmodell zu entwickeln. Enorm herausfordernd, enorm kräfteraubend, aber auch enorm direkt. Das Management von Fonds für Familiy Offices, aber auch für das breitere Publikum, wurde Kern, genauso wie das Führen einer Gesellschaft samt Personal, Finanzen und Kunden. Unser Flagshipfonds wurde der Publikumsfonds „Mozart One“, an dessen Namensgebung der Herausgeber dieses Magazins, Christian Drastil, nicht unschuldig war. Eigentlich sollte der Fonds einen abstrakteren Namen erhalten, Christian meinte aber, dass der Name des Fonds erkennen lassen sollte, dass dieser Fonds von mir gemanagt wird. Mein Vorname und die Kunst der Komposition dienten darauf hin als Inspiration. So entstand der Name, Mozart One. 

Mittlerweile besteht die Firma Matejka & Partner Asset Management bereits im 11. Jahr. Als der alte Partner seinen Fokus drehte, sprang die Wiener Privatbank ein, deren Chief Investment Officer ich kurz darauf zusätzlich wurde. Wir verwalten aktuell mit vier Asset Managern 16 Investmentfonds bei drei verschiedenen Kapitalanlagegesellschaften. Unsere Assets wachsen und unsere Kunden sagen uns auch, dass sie zufrieden sind. Und so soll es sein. 

Wolfgang Matejka
Matejka & Partner, CIO WIener Privatbank, „Hall of Famer“ des österreichischen Kapitalmarkts

Aus dem "Börse Social Magazine #51" - 1 Jahr, 12 Augaben, 77 Euro. Ca. 100 Seiten im Monat, ca. 1200 Seiten Print A4



Bildnachweis

1. BSM #51

BSM #51



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Mit freundlicher Unterstützung von Rudolf Brenner, Alexander Coenen, Thomas Erkinger, Bernhard Grabmayr, Martin Grüll, Margit Hermentin, Ernst Huber, Helmut Fleischmann, Gerhard Kürner, Ludwig Nießen, Susanne Lederer-Pabst, Robert Löw, Wolfgang Praskac, Wilhelm Rasinger, Alexandra Rosinger, Gregor Rosinger, Herbert Scherrer, Stephan Scoppetta, Udo Sutterlüty, Eduard Zehetner.


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